Weidner Sportcoupé
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Weidner S 70

Hanns Trippel hatte sich vor dem zweiten Weltkrieg einen Namen als Konstrukteur von Schwimmwagen gemacht. Sein erstes Modell, der Trippel SK 3, hatte seinen Stapellauf bereits 1932. Es folgte das Modell S 6, von dem während des zweiten Weltkrieges im ehemaligen Bugattiwerk in Molsheim etwa 2000 Exemplare hergestellt wurden. Nach seiner Freilassung aus französischer Gefangenschaft wurde ihm strengstens untersagt, geländegängige oder schwimmfähige Fahrzeuge zu entwickeln. 

In den folgenden Jahren hielt sich Trippel mit diversen Kleinwagenkonstruktionen über Wasser.  Er stellte 1956 eine schnittige Kleinwagenkonstruktion vor, die bei der Firma Etablissement Wilford in Brüsssel und bei der Weidner OHG in Schwäbisch Hall Lizenznehmer fand. 

Die Serienfertigung bei der Firma Weidner begann 1957, und der Wagen gefiel durch seine schnittige Kunststoffkarosserie auf Rohrrahmen und modische Designelemente wie die Panoramawindschutzscheibe, die jenseits des großen Teiches gerade der letzte Schrei war. Befeuert wurde das ca. 700 Kg leichte Sportcoupé von einem wassergekühlten Heinkel-Zweitakttriebwerk mit drei Zylindern , 677 ccm und 32 DIN-PS. Die zunächst verwendeten Typbezeichnungen Condor und Viper waren anderweitig geschützt, so dass der Wagen schließlich die Bezeichnung Weidner S 70 erhielt. 

 

Ein kommerzieller Erfolg wurde der Wagen jedoch nicht. Der Preis von 7000 DM war im Vergleich zum NSU Sportprinz zu hoch, und so konnten sich nur wenige Käufer für den Weidner entscheiden. Die Produktion endete im Dezember 1958. Es wurden 200 Karosserien bei der Karosseriefabrik Binz (Lorch) hergestellt, aber nach meinen Informationen sollen nur ca. 130 Fahrzeuge fertiggestellt worden sein. 

Es sind nur wenige überlebende Exemplare bekannt. Eines steht im weltbekannten Kleinwagenmuseum in Störy bei Hildesheim, ein anderes wurde Mitte der neunziger Jahre von Tom's Body Shop in Lancaster, Kalifornien, von Grund auf restauriert. Das auf dieser Seite abgebildete Modell zeigt den kalifonischen Weidner. 

Tom schickte mir die Bilder nach Abschluss der Restaurierung. Als ich während eines USA-Urlaubs erstmals von diesem Wagen erfuhr, hatte Tom bereits die Hoffnung aufgegeben, einen originalen Ersatz für den nicht mehr reparablen Heinkelmotor zu finden und war gerade im Begriff, einen Käfermotor einzupassen.

Über einen ehemaligen Mitarbeiter der Firma Weidner wurde ich an einen Sammler verwiesen, der diverse Ersatzteile, die offenbar bei der Produktion übriggeblieben waren, gelagert hatte. So wurde ein 40 Jahre alter Motor (0 km und konserviert im Original Heinkel Ölpapier) sowie ein Kühler nach Übersee  geschickt. Ersatz für ein zerbrochenes Scheinwerferglas fand sich Dank der tatkräftigen Mithilfe eines Mitglieds des Heinkelklubs, der gute Beziehungen zur Versuchsabteilung der Firma HELLA hatte. Ersatzteile für den Verteiler fand Tom schließlich in einem Zweitakt-Saab bei einer Autoverwertung in Los Angeles. Bei allen Beteiligten möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken!

 

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