NSU Maxima
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NSU Maxima

NSU Maxima 1960

Anfang der sechziger Jahre unternahm NSU noch einen Versuch, Marktanteile im Rollergeschäft zurückzuerobern. Ein Roller im bewährten Prima-Design und mit einem ausgereiften, dynamischen Viertaktmotor sollte das Ruder herumreißen.  Trotz aller Vorschusslorbeeren kam es nicht mehr zur Serienfertigung. Was könnte die Stimmung kurz vor der geplanten Vorstellung zur IFMA 1960 besser wiedergeben als ein Zitat aus einer Fachzeitschrift (Ausgabe 09/1960):

NSU Maxima mit Viertaktmotor

Am meisten interessieren sich Freund und Feind für die neue NSU Maxima, deren Name andeutet, wie sie entstand: NSU richtete den 175-ccm-Viertakt-Motor des Motorrads Maxi für den Prima-Roller her: Maxi + Prima = Maxima.

Äußerlich unterscheidet sich die Maxima von der Prima nur durch die abgeänderten Seitenteile; sie hat ein dickeres Hinterteil als die Prima, denn der Maxi-Motor ist ein ganz schöner Brocken, und es war gewiss nicht leicht, ihn überhaupt unterzubringen.

Für den Einbau in den Roller erhielt der Motor Gebläsekühlung, der Öltank wurde den Raumschwierigkeiten entsprechend sehr geschickt abgeändert, wie die untenstehende Zeichnung zeigt. Als Leistung ergeben sich für den Roller 10,5 PS, die für echte 95 km/h gut sein dürften.

Rein konstruktiv bedeutet der Einbau eines Motorradmotors in die Prima einen technischen Rückschritt: Die eigentliche Prima mit dem Zweitaktmotor hat eine geschlossene Triebsatzschwinge mit liegendem Zylinder, Getriebe neben dem Hinterrad und dementsprechend einseitiger Radführung hinten. Aus dieser Anordnung ergibt sich der Vorteil eines wartungsfreien Antriebs, sehr niedrigen Schwerpunkts und leichter Radmontage: derartige geschlossene Triebwerke gelten allgemein als großer Fortschritt gegenüber der Verwendung von Motorrad-Motoren, die mit ihren stehenden Zylindern, dem wartungsbedürftigen Kettenantrieb und ihren Schwinggabeln mit Steckachse für den Roller nicht ideal sind.

Das Argument für die Verwendung von Motorrad-Motoren war von jeher mehr eine Entschuldigung: Es handele sich um ausgereifte Triebwerke, die das Risiko von Kinderkrankheiten sparten. So kann man auch zur Verwendung des Maxi-Motors in der Maxima bei allem Bedauern darüber, dass kein geschlossenes Triebwerk mit liegendem Zylinder und Kardanweile geschaffen werden konnte, doch von vornherein sagen, dass es ein sehr guter und leistungsfähiger Motor ist. Und der erste Blick des kritischen Betrachters findet auch gleich, was er aus gutem Grund suchte: Das Triebwerk ist in Gummi aufgehängt. Starre Aufhängung einer von Natur vibrationsfreudigen Viertaktmaschine hätte von vornherein einen Komfortmangel bedeutet. Wenn starre Motoraufhangung beim Motorrad noch hinzunehmen ist, so ist sie beim Roller mit seinen schwingungsfreudigen Rahmen und den Resonanzen und Klapperneigungen unter dem Blech längst nur noch bei wenigen besonders laufruhigen Zweitaktmotoren mit liegendem Zylinder hinzunehmen.

Bei der Maxima ist also das Triebwerk in Gummi gelagert, sie hat nun eine weniger elegante, dafür aber besonders steife Hinterradführung, ihre Fahreigenschaften waren von jeher schon sehr gut, und sie sieht hübsch aus; zusammen mit dem Viertakter ist das wohl ein ausreichendes Kapital für den Kampf mit den Konkurrenten, auf den die Neuentwicklung zielt: Heinkel.

Schon seit langem kann man beobachten, wie NSU mit einer gewissen Ratlosigkeit vor der Tatsache steht, dass Vespa einerseits und Heinkel andererseits immer besser verkaufen, während NSU mit der Prima einfach nicht recht zum Zuge kommt, obwohl das Fabrikat durch die NSU-Lambretta so einen hervorragenden Start hatte und zeitweise in dieser Klasse sogar marktbeherrschend war. Tatsächlich ist es schwer, mit voller Sicherheit zu sagen, was eigentlich an der Prima nicht recht Anklang fand und findet. Sicher ist, dass eine Kinderkrankheit ihr viel Sympathie bei den Händlern kostete und eine andere Kinderkrankheit viel Sympathie bei den Käufern: Es gab anfangs viel Kummer, weil sie Schmutz ansaugte mit entsprechenden Folgen, und es war ein Komfortmangel, dass sie trotz geschickter Triebwerksanordnung außerordentlich stark vibrierte. Um die erste Krankheit gab es viel Garantie- und Kulanzaufwand, die zweite wurde durch eine neue Ausführung mit Gummilagerung der Triebsatzschwinge erledigt, aber der Start war verdorben und die Prima fand auch im ganzen nicht den Anklang, der der Lambretta-Prima sicher gewesen war, trotz Nebellampe, E-Starter und Breitskala-Tachometer. Also machte NSU als Anti-Vespa die Prima III K und KL mit erheblich gesenkten Preisen, ohne damit den Anstieg der Vespa-Ziffern verlangsamen zu können. Und nun wendet man sich - irgendwie muss es ja mal klappen - dem anderen erfolgreichen Gegner zu. Wenn schon die Prima im Volke nicht als leichter Roller und damit Vespa-Äquivalent gilt wie einst die Lambretta (und sie wiegt ja auch 30-40 kg mehr!), so meint man nun doch in der schweren Klasse Chancen zu haben. So entstand die Maxima, in der sich natürlich auch in gewissem Sinne die Motorradentwicklung auch beim Roller bezahlt machen soll.

Wie steht es nun mit diesen Chancen? Was bietet die Maxima gegenüber dem Heinkel? Wir hoffen, die Maxima schon bald gründlich testen zu können, man kann aber schon von der Anlage her ungefähr sagen, wie sie zum Heinkel steht: Vor allem bietet sie mehr Temperament und Leistung; der Maxi-Motor ist ausgesprochen sportlich. Dies dürfte das zentrale Argument sein, mit dem die Maxima für sich werben kann. Denn das einzige wirklich wirksame Kampfmittel gegen einen starken Konkurrenten, nämlich eine Preisunterbietung, war in Richtung auf den Heinkel ebenso wenig möglich wie bei der Prima III K in Richtung auf die Vespa: Die Maxima I (ohne Reserverad und Gepäckträger) kostet mit 1948 DM 8 DM mehr als der Heinkel, der für seine 1940 DM immerhin auch eine Blinkanlage bietet und auch sonst der Maxima ausstattungsmäßig etwas überlegen ist (Gepäckfach!). Als Maxima II (mit Reserverad und Gepäckträger) bietet die Maxima mit 1995 DM einen gewissen Preisvorteil gegenüber dem Heinkel, der mit Reserverad und Gepäckträger 2044 DM kostet, jedoch entspricht die Preisdifferenz gerade etwa den Kosten, die man für den Einbau einer Blinkanlage in die Maxima anlegen müsste.

In den technischen Dingen gleicht sich das Angebot von Maxima und Heinkel durchaus; beide haben Triebwerksaufhängung in Gummi, mit wesentlichen Unterschieden der Federungsqualität ist nicht zu rechnen, die Räder sind mit 3,50-10 gleich. Die Maxima ist - bei gleichem Gewicht - wohl etwas magerer und handlicher als der Heinkel, und für viele Fahrer ist auch die Fußschaltung der Maxima schätzenswert, jedoch ist als Heinkel-Vorteil andererseits anzuführen, dass die Pflege der Kette und das oft lästige Spureinstellen nach dem Radwechsel bei ihm wegfällt.

Man kann also nur schwer voraussagen, wie sich die Maxima einführen wird; sicher ist, dass sie als in der Form nicht abstechendes Glied in der Reihe der Prima-Typen von vornherein nicht so auffällt wie der Heinkel und dass dieser mit dem Repräsentationswert seines Namens und seiner neuen Karosserie in seinem moralischen Kapital fast unangreifbar ist. Die starke Maxima wird in erster Linie Fahrer mit sportlichen Interessen ansprechen, und bei den sportlichen Wettbewerben kann sie ein scharfer Hecht im Heinkel-Karpfenteich werden.

Das übrige Programm von NSU bleibt gleich; die Zweitakt-Prima-Typen sind inzwischen gut ausgereift und bewähren sich allgemein; mit ihrer modernen Gesamtanlage und besonders ihren sehr guten Fahreigenschaften sind sie ohne Zweifel überlegene Nachfolger der NSU Lambretta. Der Vespa haben sie ihre höhere Leistung voraus, der die Fahreigenschaften entsprechen, die Prima III gibt es ebenso mit Kickstarter wie mit E­Starter, und die Vereinigung von hohen Reisegeschwindigkeiten auf Fernstrecken mit angenehmen Eigenschaften im Kurzstreckenverkehr machen die Prima eigentlich in ihrer Art nicht weniger konkurrenzlos, wie es die Vespa mit ihrer besonderen Anlage ist. Die NSU Prima V mit 175 ccm-Zweitaktmotor wird ebenso wie die Prima III-Typen trotz Maxima weitergebaut. Alle Typen gibt es mit Sitzbank; von der Maxima unterscheiden sich die Zweitakter nur durch die schmalere Motorverkleidung.

Der Ölvorrat ist auf originelle Weise untergebracht; ein interessanter Unterschied zur einfachen Gehäusefüllung beim Heinkel.

Unter dem Artikel steht der folgende Hinweis: Letzte Meldung kurz vor Drucklegung: Die neue NSU Maxima erscheint zur IFMA noch nicht !

Nach meiner Kenntnis wurden alle Prototypen zerstört. Ein damals nicht gelöstes technisches Problem war die Kraftübertragung vom elastisch gelagerten Motor zum starr eingebauten Antriebsritzel der Hinterradkette.

Witz am Rande: Microsoft Frontpage 2000 bemängelt die Rechtschreibung von „Prima-Roller“. Verbesserungsvorschlag von Microsoft: Primat-Roller! Dafür wurde der Tippfehler „Geblösekühlung“ anstandslos akzeptiert . . .

Technische Daten:

Hubraum: 175 ccm
Bohrung x Hub: 62 x 58 mm
Leistung: 10,5 PS bei 6200 U/min
Verdichtung: 7,5 : 1
Ventiltrieb: OHC, Haarnadelventilfedern, Nockenwellenantrieb mit ULTRAMAX Schubstangen
Schmierung: Druckumlaufschmierung mit Mikro-Papierfilter
Schaltung: Vierganggetriebe, fußgeschaltet
Vergaser: Bing 22 mm Zweischiebervergaser
Gewicht: Leer ca. 150 kg

Gebaut wurden nur wenige Prototypen. Wer weiß etwas über deren Verbleib?

Haben Sie Material zum Thema "NSU Maxima"? Bitte setzen Sie sich per e-Mail mit mir in Verbindung (webmaster@schouwer-online.de), damit hier eine informative Seite zu diesem Thema entstehen kann! 

 

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Letzte Aktualisierung: 2009-01-25 21:34:26

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